Amokhysterie erreicht LARP
Vor 30+ Jahren war es ganz natürlich das im Kindergarten "Räuber und Gendarm" gespielt wurde, wobei zu Zeiten von Winnetou-Filmen "Cowboy und Indianer" höher im Kurs stand. Das wir auch mal mit herumliegenden Ästen fochten, war durchaus normal und wurde nicht unterbunden. Kinder spielen eben - und wir verletzten uns beim Spielen auch mal aus Versehen ohne das ein Sonderkommando anrückte.
So langsam keimt in mir der Verdacht auf, dass die Kindergärtnerinnen bald an solchen Spielen teilnehmende Kinder wegen Verdacht auf Amokläufertum melden müssen und die Kleinen im zarten Alter von Vier ihr erstes Gewaltpräventionstraining verabreicht bekommen.
Anders kann man die Anzeichen, die dort aus Dortmund auftauchen, kaum deuten:
Eigentlich wollten sie nur mit Schaumstoffschwertern aufeinander losgehen, ein bisschen ums Lagerfeuer sitzen, natürlich in mittelalterlicher Kleidung, als Teilzeit-Ritter und -Burgfräulein. Doch das Dortmunder Jugendamt hat den Ferienspaß untersagt, "Gewaltprävention" ist das Stichwort.
„Weg vom Computer, raus in die Natur”, hieß in Hombruch die Devise. Pädagogische Ziele: die Entwicklung von Kreativität und Gemeinschaftssinn. Stilecht – mit edlen Rittern, fiesen Schurken, Magiern, Waldwesen und schönen Prinzessinnen. Ein Hauch von König Artus: Rustikales Lagerfeuer-Ambiente, samt Bogenschießen und Schwertkampf, letzterer mit Schaumstoffwaffen.
Genau diese Einlagen sind dem Jugendamt nicht geheuer. Die Folge: „'Tremonias Erben' liegen auf Eis”, so Elisabeth Hoppe. Ihre Bedenken gehen „in Richtung Gewaltprävention”. Das Konzept müsse überarbeitet werden. „Den Schwertkampf müssen wir noch mal unter die Lupe nehmen.”
Quelle: Der Westen
Gewaltprävention bezeichnet normalerweise Methoden bei denen Kinder oder Jugendliche lernen mit den Aggressionen die jeder von uns hat, in einer Art und Weise umzugehen, die sozial verträglich ist. Also nicht "Kleine Schwester verprügeln weil sie Salz in die Zuckerdose gefüllt hat.." sondern ein Ventil zu finden, dass Fußball heissen kann, oder mal ein paar Monster am PC zu killen, oder aber bei schönem Wetter draussen herumzurennen und zu lernen wie man mit einem Latexschwert umgeht ohne das Gegenüber dabei zu verletzen.
Wie man lernt die Regeln beim Latex-Schwertkampf einzuhalten, wie man mit Niederlagen umgeht und bei allem noch verdammt viel Spaß hat.
Gewaltprävention bedeutet nicht im Kreis zusammenzusitzen und Kamillentee zu trinken. Es bedeutet nicht, normale Gefühle und Bedürfnisse zu unterdrücken. Es bedeutet nicht LARP in die Ecke der Gewaltspiele zu schieben und es bedeutet auch nicht, eine ganze Generation zu stigmatisieren.

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