Weibliche Ritter

Mit dem Thema "weibliche Ritter" kann man schnell mal eine Diskussionsrunde sprengen. Versuchen wir mal das Thema sachlich und historisch anzugehen. Die Aussage "Ritter ist erst mal männlich besetzt" ist zwar sachlich richtig, greift aber viel zu kurz. Denn jeder "Beruf" im Mittelalter ist erst mal männlich besetzt. Für Frauen blieb nicht wesentlich mehr als Mutter oder Nonne, alles andere war zu mindestens selten, wenn nicht sogar Frevel. Daher müsste man mit der gleichen Konsequenz weibliche Bogenschützen, Ärzte, Gelehrte und so weiter vom Felde verbannen, was aber niemand will noch tut. Nur bei den Rittern tut man sich schwer damit, dabei ist es ja auch nicht so, dass die Cons von weiblichen Rittern überrollt würden. Warum also die Aufregung?! Ritter sind auch auf Cons in erster Linie männlich und die weiblichen Kollegen sind eher eine Ausnahme, die das Spiel bereichern. Hat das eigene Land keine weiblichen Ritter bieten sich gute Möglichkeiten zu Gesprächen, Diskussionen ja sogar Streit im Spiel, aber ignorieren? Das ist wenig ritterlich und trägt noch weniger zum Spielspaß bei.



Da ich versprochen hatte auch noch historisch zu werden, gibt es im Anhang eine Liste einiger weiblichen Kämpfer und Ritter (sogar ohne Joan of Arc):


Catalina de Erauso (1585):
Entkommt dem Kloster und gibt sich als Mann aus. Sie kämpft in erster Linie in der neuen Welt und es gelingt ihr sogar die Fahne des Feindes zu erobern.

Maria of Pozzuoli (1343): italienische Soldatin, sie wird in einem Brief eines Priesters an seinen Kardinal beschrieben

Sigelgaita (11 Jhr.): Langobardische Prinzessin, befehligte die Truppen ihres Mannes

Walpurgis (ca. 1300): Die Frau aus dem I33-Fechtbuch (bewaffnet mit Buckler und Schwert)

Es gibt einige Quellen, die Frauen in Ritter-Turnieren erwähnen, so unter anderem die Chroniken des Henry Knighton (1347)

1149 wurde der "Order of the Hatchet" gegründet, der die Frauen ehrte, die die Stadt Tartosa verteidigt haben.

1233 wurde der "Order of the Glorious St Mary" gegründet und vergab als erster den Titel "militissa" an Frauen.

Es gibt mehrere Quellen die den Titel `chevaliere’ oder `equitissa’ bei Frauen verzeichnen.

Ebenso gibt es unzählige Quellen über "Krieger-Nonnen" im Laufe der Geschichte und auch während der Kreuzzüge werden kämpfende Frauen verzeichnet.

Wer die Quellen oder weitere Webseiten zu dem Thema haben möchte, kann sich im Kommentar verewigen.





Trackbacks

    No Trackbacks

Comments

Display comments as (Linear | Threaded)

  1. Andreas says:

    Hm, auch wenn ich zunächst erstmal stutzen würde, weil man den Anblick beim LARP ja tatsächlich kaum kennt, hätte ich letztendlich kein Problem mit weiblichen Rittern. Hängt vielleicht mit der DSA-Erfahrung zusammen, dort gibt's ja zuhauf weibliche Kriegerinnen etc.
    Selbst wenn es im Mittelalter nur sehr wenige Ritterinnen gab - sollte das doch für's LARP kein Grund sein. Richtige Magier gab's schließlich auch kaum welche...

  2. Anariell says:

    Ritter ist männlich besetzt, aber einige Worte sind grammatikalisch einem geschlecht zugeordnet und müssen nicht bedeuten, dass es das in der weiblichen Form nicht gibt.
    Auf larp spiele ich selbst eine kriegerin. Ritter? Was genau ist ein Ritter? Ist das der Paladin(/die Paladina...) in der fetten Plattenrüstung oder ist es der Titel?

  3. Wolf says:

    Nun, das Wort Ritter ist eine deutlich vereinfachte Ausdrucksform. Naheliegend wäre wohl es Ritterin zu nennen.
    Die ursprünliche Ausdruck Reitersmann und später Rittmann wurden vereinfacht, folglich müsste es Reitersfrau oder Rittfrau heißen oder umgangssprachlich eben Ritterin.
    Nominell ist ein "Ritter" ein berittener Krieger des niederen Adels, wogegen der Paladin der Krieger im Dienste eines Tempels ist. Ob der Paladin tatsächlich zum Krieger oder gar Champion eines Gottes bestimmt ist, ist dabei eine sehr offene Aussage.
    Doch das Grundkonzept des "Ritters", egal ob männlicher oder weiblicher Person, ist allerdings beritten. Und da muss ich sagen, dass ich zwar viele Ritter kennen lernen durfte, aber bei ungefähr 90% von ihnen mangelte es stehts an dem Wissen, wo denn eigentlich ihr Pferd ist.
    Denn jeder weiss, das Tiere auf einer con ein sehr kontroverses Thema sind.

    Letztendlich spielen wir LARP und nicht Reen-Actment und so neige ich mein Haupt vor jeder Kriegerin, Schwertmaid, Templerin oder Paladina die mich im Kampf besiegt. Zumindest in meinem gewählten Volk gibt es keine Vorurteile gegenüber Frauen, denn jeder muss seinen Teil zum Überleben beitragen. ;-)

  4. Joscha says:

    Also ein Paladin ist im wörtlichen Sinne jemand der "im Palast wohnt", später waren es die Leute, die den König wählen durften. Ihren lichten Ruf haben sie durch die französische Dichtung des 11. Jahrhunderts. Da wurden 12 strahlenden Ritter beschrieben, die Karl den Großen wählten. Als Synonym steht Paladin für "Bester Freund".

    Die Sache mit dem Tempel ist eine reine Erfindung von D&D und hat sich von dort aus auf alle Rollenspiele fortgesetzt.

  5. Katryn says:

    Ich hatte das Glück, meine ersten Larperfahrungen in einem Umkreis sammeln zu dürfen, wo sich die Frage gar nicht stellte, ob Frauen auch Ritter spielen können. Larp ist ein SPIEL im 21. Jahrhundert. Ehrlich gesagt möchte ich mit Leuten, die Frauen keine Ritter spielen lassen wollen, lieber IT wie OT nix zu tun haben...
    Ist das allerdings ein reines(!) IT-Konzept, kann sich daraus sehr amüsantes Spiel ergeben. :-)

  6. Jonas says:

    Damit unterstellst du Leuten, die gegen die Darstellung weiblicher Ritter sind, generell frauenfeindliche Ansichten - und das ist erstens unreflektiert und zweitens schlicht falsch.

    Kaum jemand, der etwas gegen "Ritterinnen" hat, hegt eine Abneigung gegen Kämpferinnen, Barbarinnen, Paladeusen oder sonstige High-Fantasy-Charakterkonzepte. Nur Ritter sollen die sich bitte nicht nennen - und das mit gutem Grund:

    Das Ding ist, dass das Konzept "Hochmittelalterlicher Ritter" - bei konsequenter Umsetzung - mehr heißt, als mit Schwert und Titel von Abenteuer zu Abenteuer zu ziehen. Als wesentlich sind in diesem Zusammenhang die ritterlichen Tugenden und Pflichten zu nennnen, die im Mittelpunkt des Ritterspiels stehen (sollten). Da spielt dann z.B. die Minne eine Rolle, die nur dann adäquat (in hoher wie niederer Form) umgesetzt werden kann, wenn der maskulinen Rittergemeinschaft eine feminine Damenwelt gegenübersteht. Kurz gesagt: Ritter funktionieren nur mit Damen als Konterpart. Und dieses System bricht in dem Moment zusammen, da weibliche Ritter auftreten.

    Natürlich ist das LARP-Rittertum größtenteils krass idealisiert, aber gerade deswegen spielen ja Konzepte wie Reinheit und Demut eine so gewichtige Rolle.

    Lange Rede, kurzer Sinn: Wenn jemand gegen Ritterinnen ist, kann das natürlich aus generellem Antifeminismus herrühren, meistens hat es jedoch mit einer bestimmten Spielphilosophie zu tun. Und die muss man nicht teilen, sollte sie aber zumindest respektieren anstatt zu diffamieren.

    Die Ausnahmen des Threads bestätigen aus meiner Sicht dabei übrigens die Regel.

  7. Alex says:

    Es geht in dem Beitrag doch nirgendwo um diffamieren, sondern nur darum historische Gegebenheiten aufzuzeigen. Eben die Aussage "es gab keine weiblichen Ritter" ist falsch, es gab sie und zwar mehr als Joan of Arc. Nicht mehr nicht weniger, was man daraus macht bleibt natürlich jedem selbst überlassen.

  8. Tim Drachenroester says:

    Hmmmmm, stimmt jetzt wo es hier geschrieben steht, Söldnerinnen, Kämpferinnen, aber keine Ritterinnen.
    Noch nicht einmal Knappinnen.

    Wobei ich unterstelle, dass die meisten Frauen wohl darauf keine Lust haben.
    Alle anderen "männlichen" Klassen, werden ja gespielt.

    (Gerade fällt mir auf, gab es im mittelalter weibliche Barden?)

  9. Roman says:

    Also ich hätte gerne mal ein paar Quellen zu der behauptung, dass Frauen nicht viel außer Nonne oder Mutter waren. Ich habe da mal was gaaanz anderes gelesen.
    Ich finde Kämpfe Frauen im allgemeinen "naja", genauso wie kämpfende 12-Jährige.

  10. Ashaba says:

    ... die meisten Männer, denen ich IT den Hintern versohle finden kämpfende Frauen auch eher "naja". Das Ganze mit 12jährigen zu vergleichen ist vollkommen daneben. Mir liegt noch einiges mehr auf der Zunge als das. Aber ich möchte mit meinem ersten Beitrag nicht gleich ausfallend werden den Kopf schüttelt Ich hoffe das war von dir nicht ganz ernst gemeint, Roman.

    Wenn Frauen Kämpferinnen spielen dürfen, sehe ich nicht den geringsten Grund wieso sie keine Ritter(innen) spielen können sollten. Das Wort Ritterinnen finde ich btw. fürchterlich. Man kann hier ja bei Ritter bleiben.

    Und wir sind Larper, keine Reenacter. Dem entsprechend braucht sich keine Kämpferin OT in Frage stellen zu lassen. Ob mein Status als Gardistin historisch korrekt ist oder nicht, stört mich nicht im Geringsten, da ich in Magonien spiele 405 Dj und nicht in Mitteleuropa 1108 nChr.

  11. Truong Nguyen says:

    Ich würde sehr gerne, die Quellenangaben zu den o.g. Beispielen wissen !

    Sigelgaita (11 Jhr.): Langobardische Prinzessin, befehligte die Truppen ihres Mannes

    1149 wurde der "Order of the Hatchet" gegründet, der die Frauen ehrte, die die Stadt Tartosa verteidigt haben.

    1233 wurde der "Order of the Glorious St Mary" gegründet und vergab als erster den Titel "militissa" an Frauen.


    Mit Bestem Dank !

  12. Francois says:

    Ich bin der Meinung, es ist doch im Grunde egal ob es weibliche Ritter gab oder nicht, jetzt ist wichtig,und wenn die Damen JETZT Ritter spielen ... warum nicht?


Add Comment


Enclosing asterisks marks text as bold (*word*), underscore are made via _word_.
Standard emoticons like :-) and ;-) are converted to images.
E-Mail addresses will not be displayed and will only be used for E-Mail notifications

To prevent automated Bots from commentspamming, please enter the string you see in the image below in the appropriate input box. Your comment will only be submitted if the strings match. Please ensure that your browser supports and accepts cookies, or your comment cannot be verified correctly.
CAPTCHA